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512 Tage Schweigen

512 Tage ist es nun her, als der Artikel „Im Zwielicht“ erschien, in dem ich meine brutale Erfahrung mit dem Starregisseur Dieter Wedel ans Licht brachte. Mutig habe ich damals meine zutiefst private und schmerzhafte Geschichte erzählt – und damit unzähligen Menschen aus der Seele gesprochen. Viele Betroffene meldeten sich und dankten mir. Viele Frauen schlossen sich mir an, hatten gleiche Erfahrungen mit Dieter Wedel gemacht. 

Viele nannten mich eine Heldin – die ich gar nicht sein wollte. Ich hatte große Angst. Die wirklichen Heldinnen waren Tarana Burke, Alyssa Milano, die als erste in Amerika das Schweigen brachen. Und all die Frauen und Betroffenen, die ihrem Beispiel folgten. Heute spricht über Tarana Burke und die meisten anderen kaum noch jemand. Es wird über die Täter gesprochen. Weinstein, Wedel, und wie sie alle heißen.

Und wie erging es mir in diesen 512 Tagen voll lautstarker Unterstützung und noch lauterer Angriffe? Von „Alle im Filmbusiness wussten es!“ und „Danke, dass Du es ausgesprochen hast!“ bis zu „Erst hochschlafen und sich dann beklagen“ reichte das Spektrum. Und ich schwieg. Während mir mein gesamtes Leben um die Ohren flog. Denn im Hintergrund wurden Fehler gemacht, die schwere Nachspiele verursacht haben. Der schwerwiegendste Fehler wurde nun als „Verjährungsfehler“ zum zahlreich zitierten Begriff. Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln. Mir wurde einerseits Schweigen auferlegt, andererseits musste ich zermürbende Anhörungen bei der Kripo über mich ergehen lassen. All das, warum Betroffene eben doch lieber schweigen. Journalisten belagerten mein Haus, verfolgten mich und belästigen meine Familie, Freunde, Nachbarn. 

Die meist gestellte Frage: „Wann startet der Prozess?“ 

Meine Antwort: Keine Ahnung. Kommt es überhaupt zu einem Prozess? Keine Ahnung. Warum schreibt keiner mehr über Wedels laufende Prozesse? Keine Ahnung. Wird gewartet, bis alles wieder vergessen ist? Keine Ahnung. Wir leben in einer Zeit der Trends. Der Metoo-Trend ist „durch“, sagt man mir. Was mir und den anderen geschehen ist, scheint schon wieder egal zu sein. In den USA lese ich über Weinsteins Prozessbeginn im September. Was lese ich in Deutschland? 

Ich lese, dass Herr Wedel auf Mallorca frühstückt. Dass er sich als romantisch trauernder Ex der verstorbenen Hannelore Elsner äußert (2010 hatte Hannelore Elsner Dieter Wedel verklagt). 

Ich soll weiter schweigen. „Alles ist gut“, sagten damals die Profis, „wir handeln zu deinem Besten.“ Während weitere Fehler auf meine Kosten und die der anonymen Frauen gemacht werden. Nein, es ist nicht alles gut! Ganz und gar nicht!

Wie viele Beispiele brauchen wir noch, bis wir eine echte Wende erreichen? Was ich momentan erlebe, ist im Grunde eine Wiederholung von genau der Problematik, die mich so lange schweigen ließ. Hätte ich #Metoo ignorieren sollen und weiter schweigen? Wäre sehr viel bequemer gewesen. Es geht nicht um Sex. Es geht um Sexismus und Gewalt. Es geht um Macht. Sexueller Missbrauch ist Machtmissbrauch.

Und das Entsetzen darüber, dass Weinstein- und Wedel-Systeme jahrzehntelang von uns toleriert und totgeschwiegen wurden. Aus Angst. Ich muss mir meine eigene Feigheit vorwerfen. Aber ich muss mir auch vergeben. Ich war sechsundzwanzig Jahre alt, am Anfang meiner Karriere und hatte gerade ein Baby bekommen. 

Bitte interessieren Sie sich dafür, was inzwischen dutzende von Frauen über Dieter Wedel zu berichten haben. Wenn jetzt weiter geschwiegen wird, wird sich nichts ändern. Wir Betroffenen verlieren wieder den Mut. „Lieber doch nicht melden, wenn mir etwas Schlimmes passiert ist. Man wird mir nicht glauben. Ich schäme mich zutiefst, dass mir das passiert ist. Wenn ich noch einmal vor wildfremden Leuten erzählen muss, wie es ist vergewaltigt zu werden, dann breche ich zusammen und stehe nie wieder auf.“ 

Unsere Wedel- Opfer Schicksale sind Beispiele dafür, wieviel Gewalt und Missbrauch hinter verschlossenen Türen abläuft. Das dürfen wir nicht mehr tolerieren. Unser Umgang damit und der unseres Landes wird unsere Zukunft bestimmen. 

Wie sollen wir Vertrauen gewinnen, einen Übergriff zu melden, wenn danach scheinbar nichts passiert? Wenn ich weiter schweigen soll?

Deshalb breche ich hiermit mein auferlegtes Schweigen: denn es geht hier nicht nur um mich! Vielen da draußen geht es so wie mir.

Ich bin nur eine von Vielen. Aber ich werde jetzt ein weiteres Mal mutig sein und alles erzählen. Jedes Detail. Für mich und für Euch! Meine Bitte: unterstützt mich! Ich brauche Euch. Denn ein so tiefes Problem unserer Gesellschaft können wir nur gemeinsam lösen. Ich bin Ihr – Bitte seid mit mir zusammen Jany!

#TogetherJany
#MeToo
#TimesUp


ENGLISH VERSION

512 days of silence

An open letter

512 days. That’s how long it’s been since the release of the magazine article revealing my brutal experience with German star filmmaker Dieter Wedel. Encouraged by the American #Metoo movement, I finally found the courage to tell my agonizing personal story. It deeply resonated with many who reached out to thank me. Multiple women followed my example and broke their silence about similar experiences with Mr. Wedel. 

In those days I was often called a hero – something I had never set out to be. The truth is, I was terrified. The real heroes to me were Tarana Burke, Alyssa Milano, and others who started this fire overseas. Today hardly anyone talks about Tarana Burke and most of the others. The attention is focused on the prominent perpetrators: Weinstein, Wedel and so on.

For me personally, these 512 days were filled with the equally grueling noise of attacks and support. No matter what people said to me or about me, I kept silent while my entire life was falling apart. Mistakes were made behind the scenes that caused serious consequences. The most serious one was a mistake regarding the statute of limitations in my accusations against Wedel. A criminal investigation ensued, and I was ordered to stay silent. I had to endure endless police interrogations. What happened to me, is the reason why sufferers prefer to remain silent. Journalists besieged my house. They followed me around and harassed my family, friends and neighbors. 

What everyone wants to know is, when does the trial even begin? I don’t know. Will there be a trial at all? I don’t know. Why isn’t anyone reporting about Wedel’s ongoing lawsuits? I don’t know. Will everybody just wait until the public forgets? I don’t know. We’re living in the age of trends. #Metoo isn’t trending anymore, I’m told. Our suffering is old news, no one cares. In the US I’m reading about Weinsteins trial beginning in September. What am I reading in Germany?

That he expresses himself as the grieving ex-boyfriend after the death of movie star Hannelore Elsner (2010 Hannelore Elsner had sued Dieter Wedel), while having breakfast on Majorca. 

I should keep silent. „Everything’s fine,“ said the professionals back then, „we’re acting in your best interest.“ While more mistakes are made at my expense and those of the anonymous women. So guess what: all is not well. Not even close!

How many more women will have to suffer until we see true change? My experience at the moment is a painful reminder of the exact reason for my silence in the past. Should I have ignored #Metoo and kept silent? That would have been much more comfortable. It’s not about sex. It’s about sexism and violence. It is about power. Sexual abuse is an abuse of power. 

Acting like Weinstein and Wedel have been tolerated by us for decades. Because of fear. I have to accuse myself of my own cowardice. But I have to forgive myself. I was just twenty-six right at the beginning of my career and had just had a baby.

Please pay attention to the dozens of women and their stories about Dieter Wedel. Nothing will change if we keep being silent. Us sufferers just lose our courage again. „I’d rather not report if something bad happened to me. Nobody will believe me. I am deeply ashamed that this has happened to me. If I have to tell strangers again what it’s like to be raped, then I’ll collapse and never get up again.“

Our Wedel victim stories are examples of how much violence and abuse occurs behind closed doors. We cannot tolerate that anymore. The way our country will deal with it will determine our future.

No wonder that many out there are losing courage. No wonder that victims of abuse keep quiet.

That is precisely why I am now breaking my silence. This isn’t about me. It’s about millions out there who are going through the same ordeal. I’m one of many, one who happened to speak up first. And so I will gather my courage and speak out. About every detail. For me as much as for all of you out there. Please support me. I need you. Speak up. The illness of a society cannot be cured by one single voice. Together we’re invincible. I am with you – are you with me?

#TogetherJany
#MeToo
#TimesUp

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29 Kommentare

  1. Gunhild Mewes

    Mai 29, 2019 - 16:37

    Liebe Frau Tempel,

    ganz ganz viel Hochachtung für den Mut, mit dem Sie an die Öffentlichkeit gegangen sind, und einen Täter als das benannt haben, was er ist. Das war ein so wichtiger Schritt und es wäre toll gewesen, wenn es eine notwendige Welle in Gang gesetzt hätte.
    Es ist schwer verständlich, warum in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern MeToo nie richtig in die Gänge gekommen ist. Haben wir hier eine größere Kultur des Beschweigens und Vertuschens? Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe, dass es auch hier noch in Gang kommen wird. Solidarität mit Betroffenen sollte kein zeitweiliger Trend sein, sondern sich als Grundsatz in der Gesellschaft durchsetzen.

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie trotz all der Probleme, denen Sie jetzt ausgesetzt sind, stolz auf Ihren Schritt sind, und dass sich langfristig alles zum Besten für Sie wendet.

    Viele solidarische Grüsse

    • Jany Tempel

      Mai 31, 2019 - 11:54

      Liebe Frau Mewes,
      und ich danke Ihnen für Ihre Courage als Erste Zuspruch und Empathie hier öffentlich an mich zu richten! Denn auch das ist nicht selbstverständlich und erfordert Mut.
      Herzlich, JY

    • Queen

      Juni 01, 2019 - 10:37

      Guten Morgen, soeben habe ich den Artikel gelesen 512 Tage schweigen. Hiermit möchte ich Ihnen Respekt und meine ganze Bewunderung aussprechen. Ich wünsche Ihnen sooooo sehr, daß andere Betroffenen sich neben Sie stellen und nicht abspeisen lassen. Die Kraft der Gruppe kann soviel verändern. Sie sind eine sehr mutige Frau Chapo

  2. Patrik Stürm

    Mai 29, 2019 - 18:02

    Hut ab vor diesem Mut den es für diese Sache gebraucht hat und jede Menge an Kraft weiterhin

    • Jany Tempel

      Mai 31, 2019 - 11:54

      Danke, lieber Patrick Stürm!

  3. Petra Luvumbo

    Mai 29, 2019 - 20:43

    Ich war auch schon in dieser Lage und habe nicht geschwiegen. All das Fremden erzählen. Alles minutiös wiedergeben, all das Geschehene nochmal erleben. Ich habe erreicht das der Täter zwei Gehaltsstufen nach unten eingestuft wurde und somit auch die Rente kleiner ausfiel. Ich habe es aber nicht mehr geschafft das ganze Prozedere nochmals durchzustehen und auch bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Ich wünsche weiterhin viel Kraft und bin in Gedanken bei Ihnen.

    • Jany Tempel

      Juni 03, 2019 - 14:23

      Liebe Petra Luvumbo,
      vielen Dank für die Offenheit! Jedes Sichwehren ist ein Gewinn! Ich wollte auch nicht zur Polizei. Wir wissen alle, warum nicht. Alles Gute! JY

  4. Ellen Schaller

    Mai 29, 2019 - 21:26

    Ich wünsche Ihnen Kraft und Beistand von Kollegen und Freunden. Wenn ich helfen könnte, ich würde es gerne tun.

    • Jany Tempel

      Juni 03, 2019 - 14:24

      Liebe Ellen Schaller,
      das tut sehr gut zu hören! Damit ist schon geholfen und es fängt ja gerade erst an. Danke! JY

  5. Louise

    Mai 30, 2019 - 09:23

    Liebe Jany Tempel,
    vielen Dank für deinen offenen Brief! Der öffentliche deutsche Umgang mit Überlebenden_Betroffenen von sexualisierter Gewalt ist so ermüdend schlecht. Und die bigotte Tüdelei um Wedel, dessen Gewalt und Machtmissbrauch eigentlich doch niemanden überrascht, ist so frustrierend. Es ist so wichtig, dass du darauf erneut aufmerksam machst!
    Dein Engagement und dein Brief, dass du das Wagnis der Öffentlichkeit eingehst und gegen ein hartes System aus Silencing und Abwiegeln angehst, ist mutig und sehr groß! Ich schicke dir viel Kraft dafür. Denk daran, dass es wirklich tolle Menschen in Frauenhäusern und Beratungsstellen gibt, die dich mental unterstützen können und deren Hilfe du in Anspruch nehmen kannst.
    Ich habe damals als die Debatte um „den Fall Wedel“ losging die Talkshow Hart aber Fair dazu angeschaut. Ich hab mich so geärgert, dass ich einen Text dazu geschrieben habe. Es geht darin vor allem darum, wie das Thema depolitisiert wird und wie Betroffene zum Schweigen gebracht werden. https://www.zfmedienwissenschaft.de/online/blog/hartaberfair

    solidarische Grüße aus Wien!

    • Jany Tempel

      Juni 03, 2019 - 14:25

      Liebe Louise,
      ja! Ich danke Dir sehr für die viele Arbeit! JY

  6. Benjamin

    Mai 30, 2019 - 10:42

    Danke für Ihren Mut und Einsatz!

    • Jany Tempel

      Juni 03, 2019 - 14:25

      Danke lieber Benjamin! Jeder Zuspruch von Euch Männern verändert die Gesellschaft noch ein Stückchen mehr! JY

  7. Rena

    Mai 31, 2019 - 12:11

    Ich habe über den sexuellen Missbrauch in meiner Kindheit mal öffentlich gesprochen, aufgrund der Erfahrungen die ich damit gemacht habe, ziehe ich es für mich lieber vor, in der Therapie oder mit einer Beraterin darüber zu sprechen. Mich selbst zu schützen, ist mir zum wichtigsten Anliegen für mich geworden. Das ist mein Weg!

    • Jany Tempel

      Juni 03, 2019 - 14:25

      Liebe Rena,
      ja, ich bin das Risiko jetzt auch eingegangen. Vielleicht bereue ich es auch irgendwann. Das wäre dann ein bitteres Fazit und ein Beispiel dafür, warum diese Systeme einfach weiter bestehen können. Schütze Dich, was auch immer Du dazu brauchst! Alles Gute! JY

  8. Claudia

    Mai 31, 2019 - 15:40

    Ja, es ist erschreckend, das es in unserer Gesellschaft nur noch um Trends zu gehen scheint. Die wir ja offenbar gern aus Amerika beziehen, um sie dann weiterziehen zu lassen! Das ist niccht nur mit Metoo so, das ist auch mit dem gesamten Frauenbild so, und genau in jender Branche, in der Dir das passiert ist, Jany, wird bis heute nach „gefällig“ und nach „fuckability“ besetzt und verteilt. Neben Machtmissbrauch im sexuellen Sinne gibt es den dort auch sonst. Es passt sehr gut zusammen. Das hat sich leider auch nicht mit „Pro Quote“ oder „Diversity“ sonderlich geändert. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema. Ich möchte nicht wissen wieviele missbrauchte Frauen aber auch Männer aus anderen Metiers schweigen. Insofern: Danke für Deinen Mut, das Versickern im Schweigen nicht hinzunehmen.

    • Jany Tempel

      Juni 05, 2019 - 12:03

      Danke, liebe Claudia, ja, ich möchte ganz unbedingt nicht (nur) mit dem Finger auf
      die kranken Täter zeigen, die alle eindringliche Therapien nötig haben und oft selbst Opfer waren.
      Den Anteil, den wir Frauen mit unserer fuckability einbringen, müssen wir unbedingt beleuchten. Was Du hiermit getan hast, danke!
      Und das tue ich auch. Das tun wir. Ich kenne keine Frau, die sich nicht fragt, warum ihr das passiert ist,
      ob sie denn mit dem Miniröckchen auf dem Tisch getanzt hat oder nur zu nett gelächelt, weil sie damit etwas erreichen wollte.
      Und es gibt leider immer noch vermeintlich intelligente Menschen, die im Zuge der Sexismus Debatte „erstmal über Sex“ reden wollen. Frauen, die ohne jede Selbstreflektion den mutigen Frauen, die sich mit ihrem Outing gerade sehr verletzbar machen, aktiv in den Rücken fallen.
      Auch wenn wir es in diesem Fall nicht mit einer Feinheit zu tun haben,
      sondern mit brutaler psychopathischer Gewalt, möchte ich meinen Glauben daran nicht verlieren,
      dass, wenn sich im Kleinen etwas bewegen lässt, es sich auch im Großen widerspiegelt und umgekehrt.
      „Metoo“, „Pro Quote“, „Diversity“ etc. sind noch jung.
      Geben wir uns Zeit und diskutieren und kämpfen wir weiter! Herzlich, JY

  9. Bernhard Rusch

    Juni 01, 2019 - 09:05

    Gewalt und Machtmissbrauch scheinen zwei Säulen unseres Gesellschaftssystems zu sein. Weswegen man vielleicht so hysterisch reagiert, wenn sie benannt werden. Aber genau deswegen ist es so wichtig über diese Verfehlungen zu sprechen. Und sofern man nicht betroffen ist, zumindest denen beizustehen, die zum zweiten Mal leiden, weil sie sich trauen, die Wahrheit auszusprechen. Danke, Jany.

    • Jany Tempel

      Juni 05, 2019 - 12:04

      Lieber Bernhard, so ist es. Lass uns das gemeinsam ändern! Danke, JY

  10. Erik

    Juni 02, 2019 - 10:35

    Ganz viel Kraft Jany!!!! Danke für Deinen Einsatz.

    • Jany Tempel

      Juni 05, 2019 - 12:04

      Ganz herzlichen Dank, lieber Erik!

  11. Kristian Nekrasov

    Juni 02, 2019 - 11:01

    Liebe Frau Tempel, ich bin männlicher Teil dieses Filmgeschäfts und erst durch die Metoo Debatte gewahr geworden, dass es auch in dieser sogenannt künstlerischen Branche soviel Machtmissbrauch via sexuellen Missbrauch gibt. Über den Umstand des Machtmissbrauchs wundert man sich ja im Grunde nicht, der ist ja in unserer Welt überall ein Thema und gehört schon fast zu einer normalen Erfahrung, weshalb auch nur extreme Fälle überhaupt irgendwie auffallen. Insofern war es aus dieser Sicht schon auf fast unheimliche Art garnicht verwunderlich, dass auch ein Herr Wedel zu den Negativbeispielen gehört. Schon allein seine weithin in der Branche bekannte Selbstgefälligkeit passte gut ins Bild. Ein für viele Menschen schwer nachzuempfindender Punkt in der metoo Debatte ist ja, dass der Machtmissbrauch gleichzeitig möglich gemacht wird durch die Angst oder Verlustangst des Opfers. Und dass das Sprechen über die sexuelle Opfererfahrung mit Scham verbunden ist. Denn der Otto Normaldenker versteht nicht, warum man sich denn nicht einfach wehrt, vorher, während, oder wenigstens hinterher, nach einer Tat. Das lässt viele verdächtigen dass da nicht der Wunsch nach eigenem Vorteil zumindest Teil der Geschehnisse war. Ich glaube deshalb, es würde sehr helfen, wenn die Opfer den Mut aufbringen könnten, genau zu beschreiben, wie es zu dieser Scham und Angst im Nachhinein kommt. Ich hoffe ich habe mich einigermaßen nachvollziehbar artikuliert, Entschuldigung für etwaige Missverständnisse, ich bin gerne bereit, genauer zu formulieren, falls gewünscht. Alles Gute für Sie und alle Leidtragenden, ob nun männlich oder weiblich!

  12. Onebillionrising Frankenberg/Eder

    Juni 02, 2019 - 13:49
  13. Dominique Beckelmann

    Juni 03, 2019 - 13:53

    Das was Sie machen finde ich genau richtig! Nicht nur in solch berühmten Fällen, sondern generell, werden solche Sachen viel zu schnell wieder vergessen. Ich kann sooo gut verstehen, dass man sich zwischenzeitlich wünscht, man hätte nie etwas gesagt, denn das was danach kommt, kommt teilweise einer erneuten Vergewaltigung nahe.
    Ich muss in ein paar Wochen zum dritten Mal vor Gericht aussagen. Es zermürbt mich und meine Familie. Mittlerweile ist mir schon fast egal wie der dritte Prozess nun ausgeht, hauptsache es hat bald ein Ende. Auf der anderen Seite gibt es da aber auch noch die „starke Seite“ in mir, die kämpfen will. Nicht nur für mich, sondern auch für andere Frauen. Ich will dass sich etwas ändert, auch wenn es für meinen Fall bereits zu spät ist. Keine Frau sollte nach so einer Tat zusätzlich so einen scheiß erleben müssen. Doch das Kämpfen wird einem nicht leicht gemacht. Die Fernsehsender, die wichtige Dokumentationen drehen könnten, die nochmal Aufmerksam machen könnten, die interessieren sich scheinbar nicht. Es reicht nur für eine 15 Minütige Reportage bei Stern TV, die nichts, wirklich gar nichts bringt. Es wurden keine Politiker, Richter oder andere „wichtige“ Leute zum Gespräch eingeladen, die vielleicht etwas hätten bewirken können und somit verläuft alles im Sande… Dann muss ich nun noch aufpassen, dass man mir vor Gericht nicht noch vorwirft, dass ich mich in Szene setze. Also soll auch ich erstmal wieder schweigen.
    Ich könnte noch sooo viel schreiben aber das würde wohl den Rahmen sprengen.
    Ich freue mich, dass Sie nochmals den Mut hatten das Schweigen zu brechen. Ich hoffe so sehr, dass Sie etwas bewirken können und ich werde helfen wo ich kann!
    Bleiben sie stark und achten Sie immer auf sich und ihre Grenzen…
    Ganz viele liebe Grüße

    • Jany Tempel

      Juni 05, 2019 - 12:04

      Liebe Dominique,
      ja, vielleicht habe ich Glück im Unglück, dass mein/unser Fall Prominent genug ist,
      um angehört zu werden. Und ich würde Dich jetzt am Liebsten einsammeln und mit aufs
      Podium nehmen. Vielleicht ergibt sich das ja. Lass unseren Frust und unsere Mutlosigkeit
      nicht gewinnen. Lass uns an einem guten Erbe arbeiten. Mach weiter! JY

      • Dominique Beckelmann

        Juni 11, 2019 - 06:46

        Guten Morgen Jany,
        gerade habe ich deine Antwort gesehen. Sofort würde ich mit dir zusammen auf’s Podium steigen und für uns Frauen kämpfen! Das hätte ich niemals gedacht aber den Mist, den ich die letzte Zeit mitgemacht habe, der hat mir nicht nur weh getan… Er hat mich scheinbar auch stärker gemacht.
        Wie heißt es…?
        „Den Schmerz den du heute spürst, ist die Stärke, die du morgen hast.“
        Ganz liebe Grüße und einen guten Start in den Tag! Dominique

        • Jany Tempel

          Juni 13, 2019 - 13:44

          Liebe Dominique,
          das sind wohl die Arten von Stärke, die aus den Ursprüngen des Überlebenskampfes erwachsen, also eine unfreiwillige Stärke, die fragil ist und jeden Morgen erneut geweckt werden muss. Der größte Feind ist die Sinnlosigkeit, das Gefühl gegen Windmühlen zu kämpfen. Deshalb vielen Dank, dass Du hier bist! JY

  14. Patrik Stürm

    Juni 14, 2019 - 17:34

    Sehr geehrte Frau Tempel

    Wenn es Kosten geben wird, ich denke es wird, dann geben Sie mir ohne Kommentar eine Bankverbindung.

    Freundliche Grüsse

    Patrik Stürm

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