Offizielle Website

BROT UND SPIELE (1). – Was hat der Klimawandel mit Metoo zu tun?





Nichts gegen Brot und friedliche Zeiten!

Nichts gegen Spiele, Ablenkungen und Pausen.

Nichts gegen Auszeiten.

Das Problem ist nur: Wir haben keine Zeit mehr für Auszeiten.

Wir steuern geradewegs auf den Mars und die Verabschiedung unseres Planeten zu.

Warum sollten wir uns also in hyperbedrohlichen Klimawandelzeiten mit Problemen wie Sexuellem Missbrauch beschäftigen?

„Die Frauenbewegung ist die bisher größte Re­vo­lu­tion der Menschheit. Und im Gegensatz zu allen anderen Revolutionen, wird sie eines Tages voll­endet sein.“ sagte die Philosophin Ágnes Heller.

https://www.zeit.de/2019/32/comebackversuche-comedian-shows

Wir kennen alle das weibliche Prinzip unserer Existenz und dass es ohne das männliche nicht wirksam wäre. Wir verstehen langsam, dass es sich bei der inzwischen jahrhundertelangen Frauenbewegung nicht um einen Konkurrenzkampf gegen den Mann per se handeln soll. Sondern schlicht um eine Zurückeroberung der weiblichen Bedeutung und der Wertschätzung ihrer Wirkung.

Ein weibliches Klima ist ein gänzlich anderes, als ein männliches. Der weibliche Anteil in uns sammelt Wurzeln, gebiert, erschafft, kommuniziert tiefgründig und hält die Familie zusammen. Der männliche Anteil jagt, kämpft, erfindet, fast sich kurz und baut die Wolkenkratzer. 

Der Baukasten Mensch besteht aus wenigen Grund- und Existenzbedürfnissen. Ganz oben auf der Prioritätenliste des Primaten stehen die Urtriebe, die das Überleben und die Fortpflanzung sichern. Die Krone der Schöpfung braucht Brot und Sex.

Der Klimawandel ist das Ergebnis unseres Raubbaus.

Der unsere kollektive innere Haltung widerspiegelt.

Wenn das Klima in uns selbst erkrankt ist, ist es auch im Außen totkrank.

Weil wir Misantrophen, Soziopathen, Narzisten und Kriminelle tolerieren und sogar nähren.

Weil wir nicht verstehen wollen, dass es im Großen nicht funktionieren wird, wenn es im Kleinen nicht funktioniert. Weil wir nicht als Politiker anzutreten brauchen, wenn wir nicht mal in uns selbst und in unserer eigenen Familie Gesundheit und Respekt zu leben fähig sind.

Ja, man weiß ja gar nicht mehr, wo man anfangen soll. Welche Petition man zuerst unterschreiben soll. Die Welt ist ja ein Scherbenhaufen, an dem man entweder zerbricht oder lieber zum Fatalisten wird. Beide Erscheinungen gibt es zu Hauf. Die Psychiatrien sind voller zerbrochener Herzen und die Chefetagen voller Narzissten.

Und dabei haben wir noch gar nicht tief gegraben. In die Kriegsgebiete geschaut. Oder ins Darknet gegriffen. Wo unsere Kinder verkauft werden. Wo Life – Ermordungen verkauft werden. Sexpraktiken mit Ungeborenen. Wo der Katalog an Perfidität krankester menschlicher Erfindungen kein Ende nimmt und es immer noch kaltblütiger geht, als man überhaupt imaginieren kann.

Nein, lebende Schildkröten werden im stinknormalen Worldwideweb als Schlüsselanhänger verkauft. Fäkale Slips, Dominapeitschen werden salongfähig gemacht. Wir selbst und unsere Kinder werden sexualisiert, ohne dass wir es merken. Wir machen mit. Die Schwellen werden immer niedriger und wir selbst immer toleranter.

Wenn uns aber etwas Unangenehmes passiert, dann ist das Entsetzen groß. Wenn es uns selbst betrifft. Denn mit dem Drama unseres Nachbarns wollen wir nichts zu tun haben. Wir haben selbst genug im Garten unseres Glücks zu graben.

All das ist zu krass. Wir können nicht hingucken. Ist zu unerträglich. Egal wie sehr uns noch Omis und Anne Franks Geschichten vom Weggucken präsent sind. 

Wir alle sind Konsumenten der Gräulichkeiten. Sei es nur als schnell gelesener Sensationsbericht oder als fiktive Krimiserie. Kaum noch ein Unterschied.

Die besonders perfiden Grausamkeiten finden abstrakterweise nur auf den armen Kontinenten statt. Aber doch bitte nicht bei uns.

Aber auch das wollen wir lieber nicht genauer wissen.

Bitte.

Wirklich nicht.

Es ist nicht auszuhalten, von einer Gruppenvergewaltigung in Indien zu lesen, bei der die Frau mit einer Eisenstange durchstoßen wurde. Da setzen hirnfunktionale Schutzmechanismen ein. Je absurder die Grausamkeit, desto dicker unser kognitiver Filter.

Also, bleiben wir erstmal bei uns…

(Fortsetzung folgt)

1 Kommentar

  1. Stefan

    August 08, 2019 - 14:44

    Jany, was für ein wahnsinnig intensiver und berührender, starker Text. Chapeau! Der geht mir unter die Haut und straight to my heart.
    Danke, immer wieder danke für Deine kraftvollen Rufe!
    Stefan

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *