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BROT UND SPIELE (2). – Was hat der Klimawandel mit Metoo zu tun?





…also bleiben wir erstmal bei uns.

Hier in unserer Nachbarschaft. In unserem Sozialstaat Deutschland. Wo es uns gut geht. Wo Wärme und Wasser aus der Wand kommen.

Wo Gefängnisse komfortabler sind als Altenheime.

Wo wir unseren Kids Way-Guard – Apps mit auf den Weg geben.

Wo neulich einer Rasierklingen auf unseren Spielplätzen im Sand vergraben hat.

Wo vor ein paar Wochen bei unserem Supermarkt um die Ecke ein Teenager von einem Teenager erschossen wurde.

Wo gerade eine Gruppenvergewaltigung eines Mädchens stattgefunden hat, und der Richter aus Zeitdruck genervt ist. 

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/freiburg-prozess-um-mutmassliche-gruppenvergewaltigung-a-1279934.html

Hier, in unserem gemütlichen, satten, winzig kleinen Deutschland, das gut genug informiert ist und den Luxus der Redefreiheit genießt, scheint sich der Großteil der Medien, der Prominenz und des Volkes mehr über seine nächsten Theateraufführungen Sorgen zu machen, als über frei laufende Soziopathen, die der Vergewaltigung angeklagt sind.

https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/zwischen-zeilen-struthoff-ende-regenbogens-12862440.html

https://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-debatte-hat-die-deutsche-filmbranche-denn-nichts-gelernt/21219954.html

Unsere Zeitung mit den großen Buchstaben macht uns täglich auf unsere hauseignen Katastrophen, Krisen und Skandale aufmerksam. Was für ein merkwürdiges deutsches Lebensgefühl war es doch, als das Zeitung eines Weihnachten plötzlich eine Sonderausgabe mit ausschließlich positiven Nachrichten herausgab.

http://www.steffenkirchner.de/blog/warum-bild-zeitung-co-zu-90-negativ-berichten/

Nichts gegen gute Nachrichten.

Aber unser happy Life scheint wichtiger als Zivilcourage zu sein.

Happy bin ich, wenn ich entspannt und schlank bin, happy bin ich, wenn ich schön und stylish bin, happy bin ich, wenn ich protzen kann, happy bin ich, wenn mich die Leute liken und klicken, weil ich happy, entspannt und schlank, schön und stylish und wahnsinnig erfolgreich bin.

Wahnsinnig – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir sind nicht happy, weil wir jemandem geholfen haben. Oder etwas bewegt oder erkannt. Nein, wir sind happy, wenn wir glauben, dass wir ein Schnäppchen gemacht haben. Jemanden übervorteilt. Besser, klüger, reicher, schöner, stärker sind. Wenn wir einen Wettbewerb gewonnen haben.

Während unser geliebter Ozean durch Mikroplastik in unserem Shampoo, das auf unserem Badewannenrand steht, keine Luft mehr bekommt. Da können sich Foodwatch und Codecheck noch so abrackern. Dass unseren Männern keine Brüste mehr wachsen und die Kinderwunschkliniken nicht mehr überquellen. Weil wir es einfach nicht eigenverantwortlich hinkriegen, nicht ständig die mit Antibiotika voll gestopften Shrimps zu konsumieren.

Nein, wir sind mit unserem happy Life und glänzendem Haar beschäftigt.

Da setzt sich plötzlich eine kleines Mädchen für den Klimawandel ein. Das bejubeln wir. Nicht die andere Seite der Medallie sehend, dass erst eine Schülerin auftauchen muss, um das Thema prominent zu machen, die nach kürzester Zeit selbst zu einer einzigen Vermarktung wird. 

Wir wiederholen uns, wenn wir auf unsere Politiker schimpfen, die mehr mit ihren internen Kriegen beschäftigt sind, als mit den Themen, für die sie eigentlich antreten sollten. Die zwischenmenschliche Atmosphäre in ihrer politischen Ökosphäre schreit geradezu nach psychologischem Klimawandel. Aber wir erreichen nichts.

Wir kennen uns in der Flut gar nicht mehr aus. Wir wissen nicht mehr welche Partei wir wählen sollen oder welche Petition wir klicken sollen. Laura, die uns mit ihren Knopfaugen anguckt, weil sie gerade völlig unschuldig an Krebs stirbt. In Wirklichkeit gibt es Laura gar nicht. Spenden für ein „Herz für Kinder“, wovon erstmal die ersten dicken Scheine ins Catering für die Sommerparty der Promis fließen.

Oder eine der vielen anderen Organisationen, die viel Geld für die bunte Werbung ausgeben, die uns suggeriert, dass unsere Spende auch wirklich direkt beim Elend ankommt. 

Ja, ja. Ich verstehe die Frage schon.

Was hat die Metoo Revolution mit Ökologie zu tun?

Die Soziologin Jutta Allmendinger fast es so zusammen:

„Frauen sind die Treiber für eine nachhaltigere Gesellschaft. Das mag nach einem Stereotyp klingen, aber Frauen richten ihr Denken und Handeln viel stärker auf die nächste und übernächste Generation aus. Sie machen sich Sorgen um ihre Kinder. Es geht ihnen weniger um eine Maximierung im Hier und Heute, sondern um eine gute Welt.“

https://www.zeit.de/campus/2018-09/jutta-allmendinger-soziologin-deutschland-spricht-frauen/komplettansicht

Es wäre nur schön, wenn sich die männliche Welt bei solchen Aussagen nicht ständig kritisiert fühlte und verstünde, dass sie nicht im Geringsten abgeschafft werden soll. Sondern gebraucht wird und sich beteiligen soll!

Warum sollten wir uns also in Zeiten der Klimawandelprobleme mit Sexuellem Missbrauch beschäftigen…

(Fortsetzung folgt)

1 Kommentar

  1. Sirah

    August 08, 2019 - 12:04

    say it louder for the people in the back 👏🏼👏🏼👏🏼

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