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DANKE an den DANK – Metoo ist (nicht) durch!

Keine Schuld ist dringender, als die, Dank zu sagen.

Cicero

Wir Menschen sind doch Gewohnheitstierchen. Wie schnell vergessen wir, wo wir herkommen und, dass wir uns vorgestern noch so sehnlich etwas gewünscht haben, was gestern endlich in Erfüllung ging, heute schon selbstverständlich und morgen längst vergessen ist.

Mein Schritt, den ich mir ja nun ganzheitlich betrachtet selbst irgendwie gebaut und verursacht habe, online zu gehen, die Welt drauf gucken zu lassen, meine Scham zu besiegen und bitte zu sagen, um Unterstützung zu rufen, ist kein leichter. Aber ich habe ihn getan.

„#Metoo ist durch“, höre und lese ich hier und da. Oh nein, das sehe ich ganz anders. Erstens, weil der Dank, der mich von Empathen und Betroffenen erreicht ganz anderes erzählt und zweitens, weil in den Etagen noch lange kein Sinn für allgemeines gutes Benehmen Einzug gehalten hat.

Deshalb danke, an alle, die sich mir und uns bisher angeschlossen haben, die mir Mut und Kraft zusprechen, die sich bei mir bedanken, – wofür eigentlich? Ach ja. Denn ich muss jetzt arg trennen, denn natürlich bin ich, Jany es, die das jetzt erlebt, aber eigentlich bin ich thematisch austauschbar und ich betrachte mich damit als eine Art Instrument oder Medium. Stelle mich als Sprachrohr für andere, die es auch wagen die Klappe aufzumachen. Denn das bedeutet im großen „ohrenbetäubenden Schweigen“ Deutschlands wirklich Eier (-stöcke) zu haben!

Ich stelle mich der Arbeit gerne zur Verfügung, aber ich sage auch laut: ich kann und will das nicht ganz alleine tun. Deshalb der Hashtag togetherjany. Wie unangenehm war mir anfangs der Gedanke zu diesem Hashtag. Bis mir jemand sagte: Jany, es geht hier nicht mehr nur um dich. Eigentlich geht es gar nicht um dich. Es geht um die vielen Frauen in deinem Fall, um viele andere Betroffene, um die (erkrankte) Gesellschaft, die du jetzt repräsentieren müsst. Dein Schicksal will das so von dir. Also tu es. Und kneif nicht!

Dirk Dozert schrieb neulich auf Facebook, wie furchtbar, ich spende sofort 1000€. Danke Dirk Dozert, – wie ich sehe Filmkollege. Danke! So sehr! 
Patrik Stürm schreibt auf meiner Website: geben Sie mir ohne Kommentar Ihre Kontonummer. Zwei wildfremde Menschen, die mir Ihre Unterstützung anbieten. 
Danke! So sehr!

All die Nachrichten, die ich bekomme: 
Jany, was kann ich für Dich tun? Jany, danke! Jany, ich bewundere Dich! Jany, bitte mach weiter. Danke sehr!

Ich habe mir wirklich nicht ausgesucht mit dem Stempel: #Metoo auf der Stirn rumzulaufen. Wie mir eine meiner Leserinnen neulich so unglaublich passend schrieb: Man wacht doch nicht eines Tages auf und denkt: „Puh ist mir langweilig, ich glaube, ich zerstöre jetzt mal das Leben von jemandem und meins gleich mit… Vielleicht kann ich mir dann noch ganz entspannt ein paar Klinikaufenthalte gönnen…“

All das habe ich auch hinter mir. Ich saß mit schwerster posttraumatischer Belastungsstörung völlig depressiv in der Ecke, auf meinem Bett in der Psychiatrie und hatte nur eine Überlegung: bei der nächsten Panikattacke renne ich gegen die Wand und bin endlich tot. 

Und ich staune, denn Menschen, die diesem Zustand noch nie selbst erlebt haben, aber dennoch voller Verständnis und Empathie sind. Woher sie das nehmen, weiß ich nicht.

Deshalb fällt es mir inzwischen leicht Dankbarkeit nicht nur aktiv zu empfinden, sondern sofort zu spüren, wenn sie sich als Konsequenz einer menschlichen Zuwendung anbietet. 

Dank wird so viel gelehrt und geübt, dabei ist er eigentlich ganz einfach. 

Dank ist ein bedrohliches Gefühl, ja. 
Weil man sich eine Schwäche zugesteht. Etwas, was man nicht selbst gestemmt hat, sondern bekommt. Als Geschenk. Also danken wir uns, wenn wir erstmal so weit sind, dass wir Dank überhaupt fühlen und annehmen und dann auch ausdrücken können.

Wie oft sagen Menschen am Tag danke. 
Aber wenn man ihre Betonungen hört, dann schwingen doch ganz viele Untertöne mit: Danke, aber ich will das gar nicht. Danke, aber was soll der Dank, es steht mir zu…

Deshalb lasst mich den bisherigen üppigen Dank da hin weiter reichen, wo er hingehört:

Danke #metoo !
Danke #timesup !
Danke, aber Metoo ist leider noch lange nicht durch!!!

Eure #togetherJany !

5 Kommentare

  1. Doro

    Juni 23, 2019 - 10:30

    Danke, liebe Jany!!!

  2. CoRa

    Juni 23, 2019 - 10:37

    Liebe Jany, ich verfolge deinen Weg seit geraumer Zeit und wünsche mir sehr, dass er von der Masse unterstützt wird. Der Dank gilt nach meinem Verständnis weiterhin dir. Denn du warst diese mutige Person, zusammen mit weiteren Frauen, die das Tabu und Schweigen brachen. Auch, wenn teilweise eigenartige Diskussionen entflammten, die die Annäherung zweier Menschen betraf, so darf ich in meinem Alltag feststellen, dass die #metoo-Bewegung gerade durch euch in Deutschland schon erste Früchte trägt. Ich erlebe, dass sich das Bewusstsein zum Thema geschärft hat. Dafür darf ich dir und deinen Mitstreiterinnen danken.
    CoRa

    • Işıl

      Juni 24, 2019 - 18:10

      I am very proud of you Jany👊You are a very brave and very strong woman. I am sure all the world will hear your voice and support you. You are not alone. Good people always wins❤

      • Jany Tempel

        Juli 03, 2019 - 12:29

        Thank you very much, Işıl!
        This is less brave than necessary…
        JY

    • Jany Tempel

      Juli 03, 2019 - 12:49

      Von den ersten Früchten zu hören, ist gut, danke.
      Dass es Menschen gibt, die bereit sind ihr Weltbild zu ändern, ihre
      bisherigen anerzogenen Manieren zu hinterfragen.
      Erschrecken, weil ihnen plötzlich auffällt, dass sie Intimgrenzen
      anderer Menschen gar nicht wahrgenommen hatten.
      Das ist ein Fortschritt.
      JY

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